…über Spocht, Gesellschaft und Weight Watchers.

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Google macht PR in eigener Sache (kostümiert als Bürgerinteresse)

Wow… das nenn ich eine gewagte Sache: google möchte einfach nichts für die Indizierung von redaktionell erstellten Inhalten zahlen müssen – wie für GEMA-pflichtige Musikinhalte auf seiner Tochter-Plattform youtube. Nun mobilisiert der Konzern, der 2011 mit der Sammlung und/oder Zurverfügungstellung fremder Inhalte 9,7 Milliarden USD nach Steuern Gewinn erwirtschaftete (Quelle: finanzen.net), die Massen. Wie lange wird es noch dauern, bis die Angesprochenen nicht nur die eine Hälfte des Kreislaufs, in dem sie selbst beteiligt sind, sehen?

Die google-Offensive verwundert nicht. Deutschland ist ein attraktiver Werbemarkt, wenn nun neben den Facebook-Inhalten auch News-Webseiten die Suchmaschine aussperren, gehen dem Konzern die beiden Haupt-Tätigkeiten der User/innen durch die Lappen. Naja, außer Katzenvideos auf youtube gucken und weiterschicken…

Wenn die Verlage nun nur noch gemeinsam eine eigene News-Suchmaschine auf die Beine stellen würden…

Das wär schon was, was die Konzernstrategen endgültig aus der Fassung bringen würde. Allein die Tatsache, dass sie den Link zur Kampagne an die prominenteste Stelle für ihre (Eigen-)Werbung setzen zeigt, wie wichtig für google die Inhalte der Verlage sind.

Sehr cool finde ich die Argumentation:

„Ein Leistungsschutzrecht bedeutet weniger Informationen für Bürger und höhere Kosten für Unternehmen“, begründete Stefan Tweraser, Deutschland-Manager bei Google, die Kampagne. (aus dem heutigen sp.on-Artikel)

Man könnte auch sagen: „Ein Leistungsschutzrecht bedeutet entweder mehr Suchaufwand für Bürger, um Informationen zu finden und sie werden dann nicht mehr nur ‚googlen‘ – oder es bedeutet höhere Kosten für das Unternehmen google.“ Die Interessenlage wird deutlich. Zumal die Argumentation ohnehin hinkt:

Nicht in Frage stellt google nämlich, dass die B2B-Lizenzierung von Inhalten sinnvoll/notwendig (und sogar üblich!) ist, will man als Gesellschaft nicht Gefahr laufen, binnen kürzester Zeit der journalistischen Vielfalt beraubt zu werden, weil Jourmalist/in dann ein dank Digitalisierung ausgestorbener Beruf wäre, wie Fotolaborant/in. Was dann in der Tat weniger Informationen für die Bürger bedeuten würden!

Man darf gespannt sein, wie es weitergeht. Und ob die Verleger/innen über die zarten Anpassungen ihres Papiergeschäftsmodells an die virtuelle Medienwelt hinaus neue Ideen und Geschäftsmodelle entwickelt. Die gemeinsame News-Suchmaschine wäre eins. Die Idee ist ungeschützt und hiermit zur Verfügung gestellt – es wäre überraschend, wenn ich die erste damit gewesen sein sollte. Anyway: Viel Spaß beim weiteren Brainstorming.

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