…über Spocht, Gesellschaft und Weight Watchers.

Archiv für August, 2012

Kurzmitteilung

WordPress.com ist ja wie Weight Watchers…

…“Du hast 3 Artikel veröffentlicht! Nächstes Ziel: 5 Artikel.“

Geht’s noch?

Sieg nach Punkten

In der Medizin gibt es einen Satz, den studierte Doktores mit etwas saurer Miene sagen, wenn es darum geht, wie Karla Müller mit Hilfe einiger Nadeln die Migräne überwand: „Wer heilt hat recht“. In meinem Fall heißt der Satz „Wer abschmilzt hat recht“.

Weight Watchers siegt derzeit grandios nach Punkten im Vergleich zu massivem Training im Fitness-Studio und allen möglichen und unmöglichen Diäten, die ich in den letzten 15 Jahren (okay, in den letzten fünf eigentlich schon gar nicht mehr) durchlebt habe.

Was ist geschehen? Ich esse weiterhin, was ich will und bin auch noch nicht wirklich dazu gekommen, eines der vielen Rezepte auszuprobieren, die mir in der Sekte an jeder Ecke begegnen. Ich trinke fast täglich meinen Latte Nougato im Lieblings-Coffeeshop um die Ecke vom Büro. Und ich belasse es bei einmal Volleyball auf niedrigem Niveau pro Woche.

Ich zähle nicht einmal mehr akribisch meine Punkte, denn die ersten drei Wochen haben gezeigt, dass ich kaum über mein Tagesbudget komme. Vom Wochenbudget verbrauche ich nur wenig, vom gesammelten „Aktiv-Punkte“-Bonus ganz zu schweigen… Mein Essverhalten hat sich rasend schnell in Bezug auf Menge, Häufigkeit und Süßigkeiten verändert.

Das Zwischenergebnis: 5 Kilogramm Gletscherschmelze in 5 Wochen. „Im Treffen“ gibt es dafür bestenfalls anerkennendes Gemurmel, ehrfürchtig-ungläubiges „Oh! und „Ah!“ ertönt hingegen, wenn ein anwesendes „Gold-Mitglied“ von den „verlorenen“ 23 Kilogramm in 9 Monaten erzählt. „Und schon eineinhalb Jahre gehalten!“ Überhaupt die Treffen… Ich habe jetzt drei „Coaches“ erlebt, die allerdings nicht coachen, sondern… sagen wir mal… ein etwas interaktiveres Dozieren bis Performen betreiben, jede auf ihre eigene Art.

Da ist die lebhafte Donnerstags-Comedienne, die mir anfangs etwas füllig vorkam (aber schwanger ist) und die den ganzen Laden von vorne bespaßt. Bei ihr gibt es die guuuuten Sattmacher, die böööösen Dr. Oetker-TK-Pizzen und hiiiinterhältig den Körper verwirrende Süßstoffe. Bewegung ist etwas, das dem Auditorium generell keinen Spaß zu machen habe, aber nötig sei. Glücklich darf sich schätzen, wer mit einem „Ach, du zarter Hase…“ von der Fragestellerin zur Stichwortgeberin degradiert wird. Hier tummeln sich die einzigen Männer, die ich bei WW bislang zu Gesicht bekommen habe. Die zupackende Art, die die Comedienne ausstrahlt, dürfte dazu beitragen.

Freitags Vormittags ist es komplett anders. Hier doziert eine diplomierte Ökotrophologin, die vermutlich noch nie mehr als 3 Kilo „Übergewicht“ im Leben hatte vom fein abgestimmten Stoffwechseln mit natürlichen Ingedenzien. Den psychounlogischen Zwängen und Trieben ihrer Gruppe („abends war die ganze Tüte Schokolade leer, obwohl ich das gar nicht wollte“) ist sie deswegen eher hilflos ausgeliefert. Mit einer Tüte Gemüse wäre das nicht passiert… Hier sammeln sich – so (m)ein erster Eindruck – ausgerechnet die ganz harten Fälle, um sich in ihrem dem-Übergewicht-Ausgeliefertsein gegenseitig zu bestärken.

Dass es bei mir gerade so gut läuft liegt (auch) daran, dass ich dieser Phase des Selbstauslieferung und -aufgabe nach mehreren Jahren der Hege und Pflege entstiegen bin. Dank Max und seiner monetären Leihgabe hatte ich im ersten Treffen berufsskeptisch gesessen und am Ende gemerkt: Schluss mit dem Aufschieben und auf den Weg mit Dir, Sweetie! Sollte ich jemals Gold-Mitglied werden, könnte diese Entschlossenheit das sein, was ich zu meinem wichtigsten Erfolgsfaktor erklären werde. Allerdings erscheint es mir utopisch, die BMI-Spanne zu erreichen, die für diese Dauer-Mitgliedschaft zum Nulltarif notwendig ist. Dazu ein ander Mal mehr.

Samstag war ich nun das erste Mal bei einem Wochenend-Treffen. Es ging etwas schleppend los, das Thema (diese Woche war es „Die Macht der Bilder“) wollte nicht so recht zünden… Doch „unser“ Coach zeigte Mut und Bilder von sich – mit 104 Kilo, mit 88 und jetzt… Als es um die irgendwo im Schrank hinten versteckten Kleidungsstücke in Größe 46, 40 oder gar 38 ging, kam richtig Leben in die Bude. Gemeinsames Lachen hier und da, dazu Applaus für frisch verdiente Sterne. Hier bekam ich endlich das Sektenerlebnis, das ich schon längst erwartet hatte. Sogar ein Maßband für 5% Gewichtsverlust wurde feierlich übergeben. Das nenne ich mal einen gelungenen „Gottesdienst“… beseelt lächelnd radelten  wir alle mit einem kleinen Plakat beschenkt nach Hause. Es ist zwar nicht wirklich schön gestaltet – wenn wir mal das Wochenthema „Die Macht der Bilder“ ernst nehmen – aber selbst das ändert nichts daran, dass die Sekte derzeit nach Punkten haushoch führt. Wer abschmilzt hat recht. Jedenfalls solange, bis das Jojo zuschlägt. Also: Stay tuned.